Tag 11 - Vom sizilianischen Schlagloch-Slalom zum Apulien-Koma
Aktualisiert: 14. Sept.
06.09.2026
Um 7:30 Uhr blinzelt die Sonne über den Horizont, während wir hochglanzpolierte Vorfreude tanken. Zum Frühstück gibt es heute ausnahmsweise keine sizilianischen Teigbomben, sondern ein figurschmeichelndes Müsli mit Joghurt und einen Schuss Nespresso-Mundbeatmung. Die Kraft brauchen wir auch: Auf dem Tagesplan stehen knackige 420 Kilometer bis nach Matera – eine Strecke, die unser getreuer „grüner Hulk“ inklusive Anhänger auf den romantisch verwüsteten Kraterlandschaften italienischer Landstraßen durchschütteln darf.

Schnell alles verstaut, den Hänger angekoppelt und ab auf die Autobahn gen Messina. Am Fährhafen begrüßt uns das altbewährte italienische Chaos. Es wird gehupt, gestikuliert und irgendwie passt das Gespann dann doch aufs Schiff.
Abfahrt von Sizilien



Die 20-minütige Überfahrt über die Meerenge nutzen wir auf dem Deck für eine Runde Fön-Frisur im Fahrtwind, bevor wir in Villa San Giovanni wieder festen Boden unter den Reifen haben.

Ab auf die mautfreie A2! Was wir an Maut sparen, zahlen wir gefühlt an Eigenfett zurück: Das Thermometer klettert im Landesinneren schweißtreibende 41 °C hoch.

Die Luft fühlt sich an wie ein Heißluftfön auf Stufe 3. Erst am Golf von Tarent entschädigen langgezogene Traumstrände und türkisblaues Wasser für die schmelzenden Schuhsohlen.

Nach der epischen Fernfahrt rollen wir endlich im Agritourismo Masseria del Pantaleone in Matera ein. Jetzt greift die eingespielte Camping-Choreografie: Hänger ab, Motorrad raus, Klappstühle aufstellen, durchatmen. Um die eingerosteten Knochen zu lockern, spazieren wir die zwei Kilometer in die Altstadt.

Anita hat ein Restaurant-Juwel namens La Lopa recherchiert.

Google behauptet zwar stur „ausgebucht“, aber mit charmanter Überzeugungsarbeit und Dackelblick ergattern wir trotzdem ein Tischchen im typisch süditalienischen Gewölbe.
Das Essen ist ein Traum – so gut, dass wir direkt für Anitas Geburtstag am Dienstag nachbuchen.


Nach köstlichen Speisen, edlem Rosato und einem kleinen Bummel durch die belebte Altstadt fordert der Tag seinen Tribut. Schwerfällige Beine und der sanfte Nebel des Weins flüstern uns zu: Laufen ist eine völlig überschätzte Sportart. Wir kapern ein Taxi für den Rückweg und beenden diesen langen, heißen, aber wunderschönen Reisetag im wohlverdienten Tiefschlaf.





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