Tag 10 - Erste Motorrad km auf Sizilien
Aktualisiert: 14. Sept.
05.09.2026
Wie man einen Vulkan erobert, im eigenen Saft schmort und zum Katzenflüsterer wird
Der Tag begann mit einer kulinarischen Mutprobe. Wir unternahmen einen weiteren kühnen Versuch, in einer lokalen Bäckerei Brötchen und Croissants zu erbeuten. Das Einkaufen selbst war zwar die einfachere Übung, doch das anschließende Verzehren der Brötchen entpuppte sich als echter Härtetest für die Kiefermuskulatur – sagen wir so: Es war eine eher zähe Angelegenheit.

Aber gut, der Magen war irgendwann beschäftigt und das Fahrzeug der Wahl stand fest: unsere Ducati Scrambler. Es war erst Punkt 9 Uhr morgens, aber die sizilianische Sonne brannte bereits so eindringlich auf uns herab, dass das Zwängen in die Schutzkluft zur reinen Geduldsprobe wurde.

Widerwillig und mit dem schmerzlichen Wunsch, jetzt einfach in kurzen Hosen und T-Shirt loszufahren, saßen wir auf. Doch die Aussicht auf 55 Kilometer feinstes Kurvenlabyrinth in Richtung Ätna gebot dann doch ein Mindestmaß an Vernunft und Schutzkleidung.
Anfangs ging es idyllisch an der Küste entlang, Panoramablick inklusive. Doch dann kam Taormina – und wir mussten mittendurch.

In der Bucht lag ein gigantisches Kreuzfahrtschiff vor Anker, was bedeutete, dass der Ort aus allen Nähten platzte. Stop-and-Go bei schweißtreibenden 32 °C auf einem luftgekühlten italienischen Motorrad: Das weicht selbst den härtesten Motorradenthusiasmus in Rekordzeit auf.
Sobald wir den Trubel hinter uns gelassen hatten, entlohnte uns die Strecke jedoch umso mehr. Es ging nur noch bergauf, und wir schwangen uns durch traumhafte, kurvenreiche Sträßchen. Unser Ziel war die ruhige Nordseite des Ätna – weit weg von der Südseite mit ihren Seilbahnen und Touristenmassen. Hier oben waren wir fast völlig allein unterwegs. Mit steigenden Höhenmetern schnitten die ersten alten Lavaströme Schneisen durch die Wälder, bis die Landschaft vollends in eine faszinierende, grauschwarze Steinwüste überging.
Auf rund 1.700 Metern Höhe entdeckten wir eine gemütliche, bewirtschaftete Hütte.


Als einzige Gäste machten wir es uns gemütlich, schwelgten in köstlichen Feigen sowie einem leckeren Nutellakuchen und genossen tiefenentspannt den Blick auf den sanft rauchspeienden Ätna.

Angenehme Temperaturen, absolute Stille und keine Touristenhorden in Sicht.


Erst nach einer vollen Stunde konnten wir uns schweren Herzens dazu zwingen, den Rückweg anzutreten.



Kaum rollte die Ducati wieder bergab, stieg das Thermometer mit jedem verlorenen Höhenmeter unbarmherzig an. Wir wählten eine Ausweichroute über ein winziges Asphaltband, das in Deutschland maximal als holpriger Wirtschaftsweg durchgegangen wäre. Mitten im Nichts tauchte plötzlich ein malerisches Kirchlein auf: Also runter von der Italienerin und Zeit für eine ausgiebige Fotosession!


Zurück auf der Küstenstraße verwandelte sich die Fahrt wieder in eine Tour durch den Brutofen. Wir schimpften und hupten wie echte Sizilianer über jeden Verkehrsteilnehmer, der es wagte, uns zum Abbremsen oder gar Anhalten zu zwingen. Am Campingplatz angekommen hieß es erst einmal: Siesta und danach ab ins Meer! Ein letztes Mal sizilianisches Salz auf der Haut spüren, denn morgen wartet bereits die Meerenge von Messina und der italienische Stiefel auf uns.
Am Abend blieb unsere grüne "Hulk-Küche" ausnahmsweise kalt. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg in den Ort, um uns bekochen zu lassen. Unterwegs schlug Anitas Tierliebe voll durch: Kurzerhand kaufte sie eine tonnenschwere Tüte Katzenfutter für die örtliche Streuner-Fraktion.

Ich stand dezent sprachlos daneben, trottete aber brav weiter zum Restaurant.
Sizilianer beim Kartenspiel am Straßenrand:

Beim Restaurant angrkommen sank unser Enthusiasmus zunächst auf den Nullpunkt: Ohne Reservierung gab es keinen der begehrten Plätze an der Beach Front, sondern nur einen Tisch auf der "Ersatzbank". Zumindest das Essen – Vorspeise wie Hauptgang – war hervorragend. Der Service danach leider weniger: Der Wunsch nach einem Nachtisch verflog beim Warten, weshalb wir direkt an der Bar zahlten.
Der anschließende Rückweg verlief äußerst entspannt. Da der gute sizilianische Tropfen seine Wirkung nicht verfehlt hatte, hielt ich meine Frau sicher an der Hand fest. Zurück am Stellplatz ließen wir den Abend gemütlich vor dem grünen Hulk ausklingen – und fütterten, wie sollte es auch anders sein, ausgiebig die Campingplatzkatzen.





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