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Tag 06 - Ritt über die Insel

  • apkolke
  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Vom Schlafentzug, fliegenden Holländern (äh Hulks) und der sizilianischen Völkerverständigung


​Der Morgen begann nicht mit Vogelgezwitscher, sondern mit dem Nachhall eines nächtlichen Guerilla-Kriegs. Nachdem uns gefühlt alle zehn Minuten Böller aus dem Schlaf gerissen hatten, krönte ein lokaler Nachwuchs-Rennfahrer das Spektakel: Er hatte offenbar die Erleuchtung gehabt, mitten in der Nacht mit seiner brüllenden Knalltüte Extrarunden zu drehen.

Um Punkt 7:00 Uhr blickten sich zwei völlig knautschgesichtige, zombieähnliche Gestalten an. Wortlos fiel die Entscheidung: Aufstehen, Kaffee reinprügeln und Flucht nach Syrakus!

Einmal quer über die Insel sollte es gehen, von Küste zu Küste.

Die italienische Autobahn versprach schnelle Meter, die unzähligen sizilianischen Baustellen versprachen jedoch gepflegte Entschleunigung. Was man an Tempo gewann, verpuffte zügig im Baken-Slalom.


Sicht auf den Vulkan Ätna mit seiner grauen Rauchfahne


​Gegen 13:30 Uhr rollten wir schließlich auf unserem Bauernhof-Campingplatz an. Da Sizilien um diese Zeit im kollektiven Koma liegt – Mittagspause von 13:00 bis 15:30 Uhr –, übernahmen wir auf eigene Faust das Kommando. Was folgte, war die eingespielte Glanzleistung eines eingespielten Camping-Duos: Hänger millimetergenau rangieren, abkuppeln, ausrichten, das Motorrad ausparken, Strom anschließen, Markise ausfahren, Stühle drunter. Fertig.


​Der Lohn der Müh: Ein "Arschbomben-Sprung" in den Pool.

Kurze Zeit später landete eine verirrte internationale Biker-Truppe – fünf Franzosen und ein Engländer – im Wasser. Im kühlen Nass entwickelte sich blitzschnell ein wunderbar feucht-fröhlicher Plausch.


Das Hofgut erweist sich als Paradies für Anita 😍


Nach ausreichend Geplansche und dem obligatorischen Aperol vor unserem geliebten „Hulk“ machten wir uns hübsch für das Haupthaus.

Die Hof-Betreiber luden zum traditionellen sizilianischen Abendessen. Was folgte, war ein kulinarisches Festmahl an einer schier endlosen Tafel unter dem sizilianischen Sternenhimmel.

Die Gästeliste glich einer UNO-Vollversammlung: Franzosen, Engländer, Palästinenser, Marokkaner, Italiener – und als kultureller Höhepunkt: Schwaben! Bei fantastischem Wein und exzellentem Essen wurden Geschichten getauscht und gelacht, bis die Sterne tanzten.

​Dass Motorradfahrer eine eigene Sprache sprechen, bewies wenig später auch der Hof-Besitzer Antonio (über 80 Jahre alt). Er sprach zwar weder Deutsch noch Englisch, aber als er mitbekam, dass wir auf zwei Rädern unterwegs waren, leuchteten seine Augen auf. Antonio entpuppte sich als leidenschaftlicher Biker und glühender Moto-Guzzi-Fan, der selbst lange Zeit eine gefahren hatte. Als er erfuhr, dass ich (Pepe) ganze 36 Jahre lang verschiedene Moto-Guzzi-Modelle gefahren bin und zu Hause in der Garage sogar noch eine V7 Spezial auf ihren nächsten Einsatz wartet, gab es kein Halten mehr: Antonio vollführte glatt ein kleines Freudentänzchen und drückte mich herzlich in eine Biker-Umarmung! Ein echter Liebhaber durch und durch – da braucht es wahrlich keine Wörterbücher, man versteht sich auch ohne Deutsch und Englisch auf Anhieb.


​Zu später Stunde wankten wir glückselig zurück zu unserer rollenden, grünen Luxus-Suite. Wir ließen den Abend entspannt in den Liegestühlen ausklingen, bis das aufkeimende, rhythmische Sägewerk-Schnarchen aus den Nachbarzelten (oder war es unser eigenes ?) uns schließlich in den Hulk auf unser Queen-Size-Bett trieb. Und unsere Gastgeberin behielt recht: Die Nacht brachte die ersehnte Abkühlung. Unsere treuen Mini-Ventilatoren durften endlich schweigen – und wir schliefen wie die Königinnen und Könige.

 
 
 

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