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Tag - 04 Schiffspassage

  • apkolke
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Überleben auf hoher See und die sizilianische Mutprobe

​Der vierte Tag begann schaukelnd. Die Fähre fuhr verhältnismäßig ruhig durchs Mittelmeer, was in der Praxis bedeutete: ein leichtes, aber stetiges Rollen des Schiffes. Das verlieh unserem morgendlichen Gang zur Kaffeemaschine eine erstaunlich elegante Schlagseite. Wer braucht schon Alkohol zum Frühstück, wenn die Dünnung dir das Koordinationsvermögen eines feiernden Matrosen beschert?

Apropos Frühstück: Es war eben typisch Fähre. Kulinarisch irgendwo angesiedelt zwischen „überlebensnotwendig“ und „welcher Trikotstoff ist das eigentlich?“.



​An Deck empfing uns das pure Chaos. Da Liegestühle Mangelware waren und gefühlt Tausende Menschen in wilden Zickzack-Kursen umherirrten, traten wir rasch den Rückzug an. Wir verkrümelten uns in unsere Kabine, um entspannt zu lesen.


Einziger Ausflug: Eine Runde einmal ums Schiff – einmal Seeluft schnappen, einmal das schaukelnde Elend der Mitreisenden begutachten und schnell wieder abtauchen.


Um kurz nach vier dann der plötzliche Schock via Lautsprecher: „Bitte räumen Sie Ihre Kabine bis 16:15 Uhr!“ Was? Zweieinviertel Stunden vor Ankunft?! In Rekordzeit packten wir unsere sieben Sachen zusammen und wurden sanft, aber bestimmt aus unserer Zuflucht vertrieben. Willkommen in der „gemütlichen“ Essens-Zone, der inoffiziellen Zwischenstation für gestrandete Seelen.


Um das Elend des Sitzfleisch-Aussitzens zu versüßen, gönnten wir uns auf dem obersten Deck ein Stieleis, ehe es zurück in die unerbittliche Warteposition ging.


​Endlich: Der Dampfer legte an! Zwar mit 15 Minuten Verspätung, aber wer zählt auf See schon mit?

​Jetzt begann der eigentliche Überlebenskampf. Der Aufruf für Parkdeck 5 ertönte – und schlagartig verwandelte sich das Schiff in ein römisches Gladiatorenfeld. Alle Aufzugseingänge waren von dichten Menschenmassen belagert, und Treppen nach unten? Fehlanzeige! Ein logistisches Meisterwerk. Nach zähem Ringen eroberten wir eine Kabine im Aufzug und fuhren hinab ins dunkle Reich der Fahrzeugdecks.


Und siehe da: Unser Gespann aus GLC und Wohnwagen „Hulk“ stand wohlbehalten, eingekeilt zwischen gefühlt tausend Wohnmobilen.

​Es folgte: Warten im Auto. Viel Warten. Während sich das Blech-Chaos langsam entwirrte, rollten wir schließlich mit einem Stoßgebet vom Schiff – direkt hinein in den berüchtigten Verkehr von Palermo.


​Wer noch nie in Palermo gefahren ist: Stellen Sie sich ein Drehkreuz im weltweiten Flugverkehr vor. Nur ohne Tower, ohne Regeln und auf Asphalt. Rechts, links, oben, unten – überall schossen Roller, Autos und dreirädrige Gefährte an uns vorbei, immer begleitet von einem rhythmischen Hupkonzert und dem beherzten Drang zur Vorfahrts erzwingenden Lückenfindung.


​18 Kilometer. Eine halbe Stunde. Überlebenstrieb auf Maximum.

​Pünktlich wie die Maurer – und exakt kurz vor dem wohlverdienten Feierabend der Rezeption – bogen wir auf den Campingplatz ein. Platz gesichert, Verträge unterschrieben, tief durchgeatmet. Jetzt nur noch die Beine hochlegen und ab ins nächste Restaurant.


​Benvenuto in Sicilia – wir haben es tatsächlich geschafft!

 
 
 

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